Pressespiegel

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Warum Dr. Andrea Gartenbach Longevity vom Sockel holt und Gesundheit wieder menschlich macht.

Dr. Andrea Gartenbach gehört zu den Stimmen, die Gesundheit nicht erst dort beginnen lassen, wo Krankheit sichtbar wird. In diesem Gespräch geht es deshalb nicht um ewige Jugend, sondern um die deutlich spannendere Frage: Wie gestalten wir ein Leben, das unsere Biologie langfristig unterstützt?

 

SQUT: Liebe Andrea, ich hoffe, Du bist gesund und glücklich. Oder hilfst Du nur anderen?

Andrea: Ich hoffe beides. Wobei Gesundheit für mich nichts ist, was man irgendwann erreicht. Sie entsteht jeden Tag neu. Gerade als Ärztin kenne ich die Versuchung, immer zuerst für andere da zu sein. Das geht vielen in Gesundheitsberufen so. Irgendwann meldet sich dann der eigene Körper. Nicht, weil er gegen uns arbeitet. Sondern weil er versucht, uns auf etwas aufmerksam zu machen. In meiner Praxis sehe ich oft, wie früh unser Körper beginnt, Signale zu senden – lange bevor daraus eine Erkrankung wird. Genau deshalb fasziniert mich Prävention so sehr. Sie beginnt nicht mit einem Medikament. Sie beginnt damit, diese Signale ernst zu nehmen. Ich bin übrigens selbst nicht jeden Tag perfekt. Aber ich versuche, meinem Körper zuzuhören, bevor er laut werden muss. Das ist für mich moderne Medizin. 

SQUT: Du sprichst viel über Gesundheit, Prävention und ein langes, kraftvolles Leben. Aber ganz ehrlich: Ist Healthspan am Ende nicht die viel brutalere Frage als Longevity – weil sie uns zwingt, nicht nur Jahre zu zählen, sondern Lebensqualität?

Andrea: Ja. Und genau deshalb interessiert mich Healthspan mehr als Longevity. Die entscheidende Frage ist für mich nicht: Wie alt möchten Sie werden? Sondern: Wie möchten Sie leben, solange Sie leben? Denn was nützen uns zusätzliche Jahre, wenn uns Energie, Mobilität, geistige Klarheit oder Selbstständigkeit fehlen? In der Medizin messen wir vieles: Blutwerte, Herzfrequenz, Muskelmasse oder Knochendichte. Das ist wichtig. Aber am Ende frage ich meine Patientinnen und Patienten etwas viel Einfacheres: Können Sie das Leben führen, das Ihnen wichtig ist? Genau das verstehe ich unter Healthspan. Nicht möglichst lange leben. Sondern möglichst lange wirklich leben.

SQUT: Longevity klingt inzwischen nach Biohacking, teuren Blutwerten und Selbstoptimierung für Menschen mit zu viel Zeit. Ist der Begriff verbraucht – und ist Healthspan das ehrlichere, stärkere, vielleicht auch menschlichere Wort?

Andrea: Ich glaube nicht, dass Longevity das Problem ist. Das Problem ist, dass wir Longevity häufig auf Biohacking reduzieren. Dabei beginnt moderne Präventionsmedizin viel früher. Sie beginnt damit, Risiken zu erkennen, bevor Krankheiten entstehen. Sie nutzt Diagnostik, Genetik, Biomarker und moderne Technologien – aber nicht, um möglichst viele Daten zu sammeln. Sondern um bessere Entscheidungen zu treffen. Daten sind für mich kein Selbstzweck. Sie sind Entscheidungshilfen. Am Ende interessiert mich deshalb nicht, wer die meisten Blutwerte kennt. Mich interessiert, wer seine Gesundheit in einem anspruchsvollen Leben tatsächlich erhalten kann. Denn Wissenschaft wird erst dann wertvoll, wenn sie im Alltag funktioniert.

SQUT: Wenn jemand sagt: „Ich will 100 werden“ – fragst Du dann manchmal zurück: „Wofür eigentlich?“ Oder ist diese Sinnfrage in der Medizin noch immer ein bisschen unbequem?

Andrea: Ja. Und meistens beginnt genau dort das spannendste Gespräch. Denn 100 Jahre sind kein medizinisches Ziel. Sie sind eine Zahl. Mich interessiert etwas anderes: Wofür möchten Sie gesund bleiben? Für Ihre Kinder? Für Ihren Partner? Für Ihr Unternehmen? Für den Berg, den Sie noch besteigen möchten? In meiner Praxis erlebe ich immer wieder: Menschen verändern ihr Verhalten selten, weil der Arzt es empfiehlt. Sie verändern es, wenn Gesundheit plötzlich eine persönliche Bedeutung bekommt. Deshalb gehört diese Frage für mich ganz selbstverständlich zur Präventionsmedizin. Denn wer seinen eigenen Grund kennt, trifft oft auch bessere Entscheidungen. Gesundheit ist kein Selbstzweck. Sie schafft die Freiheit, das Leben zu führen, das einem wichtig ist.

SQUT: Du arbeitest mit Menschen, die vermutlich sehr leistungsorientiert sind. Wo kippt der Wunsch nach Gesundheit in Kontrolle, Angst oder sogar Narzissmus?

Andrea: Ich arbeite sehr gern mit leistungsorientierten Menschen. Ich schätze ihre Disziplin, ihren Gestaltungswillen und ihre Neugier. Das Problem ist nicht Leistung. Das Problem entsteht, wenn wir versuchen, unseren Körper ausschließlich zu kontrollieren. Viele High Performer behandeln ihre Gesundheit wie ein Unternehmen: mehr Daten, mehr Optimierung, mehr Effizienz. Das funktioniert erstaunlich lange – bis der Körper Grenzen setzt. Nicht, weil er versagt, sondern weil seine Anpassungsfähigkeit erschöpft ist. Aus medizinischer Sicht ist das völlig logisch: Dauerhafter Stress verändert Schlaf, Hormonhaushalt, Entzündungsprozesse und letztlich auch unsere Leistungsfähigkeit. Deshalb interessiert mich in meiner Praxis weniger, wie viele Biomarker jemand gemessen hat. Mich interessiert, wie gut sich dieser Mensch noch regenerieren kann. Gesundheit entsteht nicht durch maximale Kontrolle, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung und Regeneration. Mein Ziel ist nicht, Leistungsfähigkeit zu bremsen – sondern sie möglichst lange zu erhalten. 

SQUT: Viele Menschen wollen länger leben, aber ändern nicht einmal ihren Schlaf, ihre Ernährung, ihre Beziehungen oder ihre Routinen. Sind wir wirklich zu schlecht informiert oder einfach zu wenig bereit, ehrlich mit uns selbst zu sein?

Andrea: Ich glaube nicht, dass uns Wissen fehlt. Die meisten Menschen wissen erstaunlich gut, was gesund wäre. Die eigentliche Herausforderung ist, Gesundheit in ein anspruchsvolles Leben zu integrieren. In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass nicht die Motivation fehlt, sondern die Umsetzbarkeit. Deshalb suche ich mit meinen Patientinnen und Patienten nicht nach der perfekten Strategie, sondern nach der richtigen. Einer Strategie, die auch auf einer Geschäftsreise, in einer stressigen Woche oder mit Familie funktioniert. Aus medizinischer Sicht sind nicht einzelne Ausnahmen entscheidend, sondern das, was wir über Jahre hinweg regelmäßig tun. Unser Stoffwechsel, unser Herz-Kreislauf-System und unser Nervensystem reagieren auf Muster – nicht auf Perfektion. Die beste Gesundheitsstrategie ist deshalb nicht die wissenschaftlich perfekteste. Sondern die, die auch an einem stressigen Dienstag noch funktioniert.

SQUT: Du warst selbst Leistungssportlerin. Was hat Dir der Sport über Disziplin beigebracht — und was musstest Du vielleicht später wieder verlernen, um Gesundheit nicht mit Härte zu verwechseln?

Andrea: Der Leistungssport hat mich Disziplin gelehrt. Dafür bin ich bis heute dankbar. Aber ich musste auch lernen, dass Gesundheit nicht nur durch Belastung entsteht. Als junge Sportlerin dachte ich oft: Mehr Training bringt mehr Fortschritt. Heute weiß ich, dass sich unser Körper nicht während der Belastung entwickelt, sondern in der Regeneration. Dort werden Muskeln aufgebaut, das Nervensystem erholt sich und wir passen uns an die Herausforderungen an. Diese Erkenntnis begleitet mich bis heute in meiner Arbeit. Viele leistungsorientierte Menschen trainieren ihre Belastbarkeit – aber zu wenige ihre Regenerationsfähigkeit. Nachhaltige Leistungsfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass wir immer mehr leisten. Sondern dadurch, dass unser Körper immer wieder die Chance bekommt, sich zu erholen.

SQUT: Lass uns über Freundschaft sprechen: Ist ein echter Freund manchmal wirksamer für die Gesundheit als der nächste Supplement-Stack?

Andrea: Wenn ich heute ein Medikament entwickeln dürfte, würde ich wahrscheinlich Freundschaft patentieren. Leider funktioniert sie nicht so. Wir unterschätzen bis heute, wie stark Beziehungen unsere Biologie beeinflussen. Wer sich sicher, verstanden und verbunden fühlt, aktiviert andere Prozesse im Körper als jemand, der dauerhaft unter Stress oder Einsamkeit lebt. Das autonome Nervensystem kommt eher zur Ruhe, Stresshormone wie Cortisol sinken und Botenstoffe wie Oxytocin fördern Vertrauen, Verbundenheit und Regeneration. Das wirkt sich langfristig auf Schlaf, Immunsystem und sogar das Herz-Kreislauf-System aus. Deshalb frage ich in meiner Praxis nicht nur nach Ernährung oder Bewegung. Ich frage auch: Mit welchen Menschen verbringen Sie Ihr Leben? Wir investieren viel Geld in Nahrungsergänzung. Manchmal wäre ein gemeinsamer Spaziergang mit einem guten Freund die wirksamere Gesundheitsintervention.

 

SQUT: Einsamkeit gilt mittlerweile als massiver Risikofaktor. Warum behandeln wir soziale Nähe trotzdem oft wie ein „Nice-to-have“ und nicht wie eine medizinisch relevante Ressource?

Andrea: Wir akzeptieren heute, dass Rauchen krank macht. Ich glaube, wir müssen genauso akzeptieren, dass chronische Einsamkeit krank machen kann. Sie beeinflusst unser Stresssystem, unsere Immunfunktion und erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen oder Demenz. Deshalb gehört für mich zu einer guten Anamnese nicht nur die Frage nach Ernährung, Bewegung oder Schlaf. Ich möchte auch wissen: Wer trägt Sie durchs Leben? Gesundheit entsteht nicht nur durch gute Entscheidungen. Sie entsteht durch gute Beziehungen.

SQUT: Was macht Freundschaft mit unserem Körper? Gibt es aus Deiner Sicht so etwas wie Beziehungen, die im wahrsten Sinne des Wortes „Gut fürs Blut.“ sind?

Andrea: Absolut. Unser Körper reagiert nicht nur auf Ernährung oder Bewegung, sondern auch auf Beziehungen. Wer sich sicher, verstanden und verbunden fühlt, aktiviert den parasympathischen Teil unseres Nervensystems – den Zustand, in dem Regeneration, Reparatur und Erholung stattfinden. Gleichzeitig sinken Stresshormone wie Cortisol, während Botenstoffe wie Oxytocin Vertrauen und soziale Bindung fördern. Das wirkt sich positiv auf Schlaf, Blutdruck, Entzündungsprozesse und langfristig auch auf unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit aus. Deshalb frage ich in meiner Praxis nicht nur nach Laborwerten. Ich frage auch: Mit welchen Menschen verbringen Sie Ihr Leben? Denn die Qualität unserer Beziehungen gehört für mich genauso zur Präventionsmedizin wie Ernährung, Bewegung oder Schlaf.

SQUT: Glückseligkeit ist ein großes Wort. Ist sie aus medizinischer Sicht messbar — oder gerade deshalb wertvoll, weil sie sich nicht vollständig in Biomarkern, Wearables und Laborwerten einfangen lässt?

Andrea: Wir können heute mehr messen als je zuvor – und das ist ein großer Fortschritt. Biomarker, Wearables oder moderne Diagnostik helfen uns, Krankheiten früher zu erkennen und Gesundheit präziser zu begleiten. Aber gute Medizin weiß auch, wo ihre Grenzen liegen. Kein Laborwert kann messen, ob ein Mensch morgens mit Freude aufsteht, sich verbunden fühlt oder Sinn in seinem Leben erlebt. Gleichzeitig wissen wir aus der Forschung, dass genau diese Faktoren unser Nervensystem, unser Immunsystem und sogar unsere Lebenserwartung beeinflussen können. Daten zeigen uns, was im Körper passiert. Sie erzählen uns nicht, warum ein Mensch gerne lebt. Beides gehört für mich zur personalisierten Medizin.

SQUT: Wenn ein Mensch perfekte Blutwerte hat, aber keine Freude, keine Nähe, keinen Sinn und keine echten Freunde: Würdest Du ihn gesund nennen?

Andrea: Nein. Ich würde sagen, er hat sehr gute Blutwerte. Gesundheit ist mehr als gute Laborwerte. Ich kenne Menschen mit nahezu perfekten Laborwerten, die erschöpft durchs Leben gehen. Und andere mit kleinen medizinischen Baustellen, die voller Energie und Lebensfreude sind. Natürlich wünsche ich mir beides. Aber Medizin darf nie den Fehler machen, den Menschen mit seinem Blutbild zu verwechseln. Der menschliche Körper ist unglaublich komplex. Biologie, Psyche, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Beziehungen und Lebenssinn beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb gibt es selten die eine Ursache – und genauso selten die eine Lösung. Das ist für mich die gute Nachricht. Denn Gesundheit entsteht oft dadurch, dass viele kleine Veränderungen zusammen eine große Wirkung entfalten. Wir behandeln keine Laborwerte. Wir begleiten Menschen dabei, die Voraussetzungen für Gesundheit zu schaffen.

SQUT: Funktioniert Longevity für Frauen anders als für Männer – biologisch, hormonell, psychologisch und gesellschaftlich? Oder wird in der Forschung und im Markt noch zu oft der männliche Körper als Standardmodell verkauft?

Andrea: Ja, Frauen altern in vielerlei Hinsicht anders als Männer. Das betrifft Hormone, Stoffwechsel, das Immunsystem und auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen. Gleichzeitig wissen wir, dass Frauen in der medizinischen Forschung lange unterrepräsentiert waren. Das müssen wir aufholen. Für mich ist das aber nur der erste Schritt. Die eigentliche Zukunft liegt nicht darin, Medizin stärker nach Männern und Frauen zu unterscheiden. Sondern darin, sie auf den einzelnen Menschen auszurichten. Denn zwei Frauen gleichen Alters können hormonell, metabolisch und gesundheitlich völlig unterschiedliche Ausgangssituationen haben. Selbst Zyklus, Wechseljahre oder Stressreaktionen verlaufen individuell. Personalisierung beginnt dort, wo Kategorisierung endet. Genau deshalb geht es in der modernen Longevity-Medizin nicht um Standardprogramme für Frauen oder Männer. Sondern um die richtige Prävention für den richtigen Menschen – zum richtigen Zeitpunkt.

SQUT: Gerade Frauen erleben mit Zyklus, Schwangerschaft, Perimenopause und Menopause massive körperliche Übergänge. Müsste Healthspan für Frauen deshalb viel stärker lebensphasenorientiert gedacht werden?

Andrea: Unbedingt. Diese Lebensphasen sind keine Störungen, sondern Ausdruck einer hochdynamischen Biologie. Genau deshalb brauchen Frauen in unterschiedlichen Lebensabschnitten auch unterschiedliche Präventionsstrategien. Aber auch hier würde ich noch einen Schritt weitergehen. Nicht jede Frau erlebt diese Phasen gleich. Der Zyklus, hormonelle Veränderungen oder die Menopause können sehr unterschiedlich verlaufen. Moderne Präventionsmedizin hat heute die Möglichkeit, genau diese Unterschiede zu erkennen und daraus individuelle Empfehlungen abzuleiten. Nicht die Lebensphase entscheidet über die richtige Strategie. Sondern die individuelle Biologie der Frau in dieser Lebensphase. Das ist für mich personalisierte Medizin.

SQUT: Wenn Du einem Menschen nicht zehn Regeln, sondern nur eine unbequeme Wahrheit für ein längeres, gesünderes und glückseligeres Leben mitgeben dürftest: Welche wäre es und warum würde sie vielen nicht gefallen?

Andrea: Vielleicht diese: Unser Körper ist erstaunlich selten unser Problem. Oft reagiert er sehr intelligent auf die Art, wie wir leben. Was wir als Störung empfinden, ist biologisch häufig zunächst ein Anpassungsversuch. Deshalb interessiert mich in der Medizin nicht nur, welches Symptom jemand entwickelt. Mich interessiert vor allem, warum der Körper glaubt, genau so reagieren zu müssen. Vielleicht fällt uns diese Wahrheit auch deshalb so schwer, weil wir alle den Shortcut suchen – die eine Pille, die eine Spritze oder den einen Biohack, der alles lösen soll. Moderne Medizin kann dabei unglaublich viel leisten, und ich setze sie jeden Tag ein. Aber sie ersetzt weder einen gesundheitsfördernden Lebensstil noch ein Mindset, das unserem Körper Sicherheit, Verbundenheit und Regeneration ermöglicht. Der Körper kämpft erstaunlich selten gegen uns. Viel häufiger versucht er, uns zu schützen. Die beste Medizin ist ein Leben, in dem er keinen Grund mehr hat, ständig Alarm zu schlagen.

 

Dr. med. Andrea Gartenbach ist Fachärztin für Innere- und Funktionelle Medizin, Expertin für Longevity, Gründerin, Speakerin und ehemalige Leistungssportlerin.

 

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